Fahren in der Gruppe

1. Pünktlichkeit
2. Motorrad volltanken, Tankstopps
3. StVO
4. Gruppenzusammenhalt
5. Trennung von der Gruppe
6. Überholen

Tipps

– Gruppendynamik
– Eigene Position in der Gruppe
– Wenig Tourerfahrung, dann vorn fahren
– Versetzte Fahrweise einhalten
– Nur an sicheren Orten anhalten
– Auf Zeichen anderer Tourteilnehmer achten
– An die Sicherheit der anderen denken

 

1. Pünktlichkeit

Nicht nur, dass es höflich ist, den anderen gegenüber, auch im eigenen Interesse ist es sinnvoll, pünktlich und mit etwas Pufferzeit am Treffpunkt zu erscheinen. So kann man noch das eine oder andere Schwätzchen halten, etwas am Motorrad richten, doch die anderen Handschuhe anziehen, die Regenhose an/ausziehen usw…. Die Abfahrt ist anschließend nicht so eine „fliegende Veranstaltung.“ Dies gilt ebenso bei Pausen, die Abfahrtzeit wird vorher deutlich bekannt gegeben und sollte eingehalten werden.

2. Tanken

Eine Tour wird mit vollem Tank begonnen. Auch hier ist es eine Frage der Höflichkeit, ob ich die anderen Teilnehmer mit einem Zeitverlust während der Tour behellige, nur weil ich vorher zu bequem war, den Tank zu füllen. Wir bestimmen deshalb vor Beginn der Tour, welcher Teilnehmer den geringsten Aktionsradius aufgrund des Tankvolumens seines Motorrads besitzt und bestimmen danach den nächsten Tankstopp. Anlässlich dieses Tankstopps tanken alle Teilnehmer voll auf.

3. StVO

Es versteht sich eigentlich von selbst, dass für jeden Teilnehmer die StVO gilt. Demnach sollte jedem klar sein, dass er auf eigene Verantwortung fährt und den Tourguide nicht für eine Geschwindigkeitsübertretung oder andere Verletzungen der StVO während der Tour verantwortlich machen kann.

4. Gruppenzusammenhalt

Weniger erfahrene Teilnehmer einer Gruppenfahrt sollten aus eigenem Interesse heraus eine Position hinter dem Tourguide aufsuchen. Hier ist es leichter, den Anschluss zu behalten und das Gefühl aus dieser Position heraus „nicht verloren zu gehen“, ist ebenfalls recht angenehm und vermittelt Sicherheit.
In der Gruppe wird möglichst in versetzter Formation gefahren. Das 1. Motorrad fährt in der Nähe der weißen Linie, das 2. Motorrad orientiert sich in Richtung Randstein, das 3. wieder nahe der weißen Linie usw.. Durch diese Formation werden mehrere Vorteile miteinander kombiniert:

a) Die Gesamtlänge der Gruppe gerät nicht ins „Unendliche“
b) Jeder kann seinen Hintermann recht gut im Spiegel sehen
c) Der Anhalteraum bei harten Bremsmanövern hat sich gleich verdoppelt.

Selbstverständlich fährt jeder die Kurven auf „seiner“ Linie. Anschließend nimmt die Gruppe wieder die versetzte Formation ein.

Jeder sollte den Platz in der Gruppe, den er beim Start eingenommen hat, nicht ohne zwingenden Grund verlassen. Dies lässt sich relativ leicht am Kennzeichen oder anderen individuellen Merkmalen ständig überprüfen. So ist eine permanente Kontrolle der Vollständigkeit gegeben und keiner geht auf irgendeinem Parkplatz verloren.

Falls aus irgendwelchen Gründen (ausgenommen überraschende technische Defekte) angehalten werden muss, ist unbedingt eine Haltebucht, ein Parkplatz, eine Bushaltestelle oder eine andere Stelle auszuwählen, die es erlaubt, dass die anderen Teilnehmer ohne Behinderung des Verkehrs anhalten können. Hier wird in einer Linie an der äußersten rechten Fahrbahnseite angehalten. Versammlungen in Richtung zur Fahrbahnmitte hin sind ebenfalls aus Gründen der Sicherheit nicht ratsam.

Wenn an Kreuzungen oder Ampeln angehalten wird, bilden die Teilnehmer, wenn möglich, eine Zweiergruppe nebeneinander. Hierdurch entsteht eine kurze und kompakte Gruppe, die es erlaubt, dass beim Anfahren viele die Kreuzung passieren können. Der Start geschieht in der gleichen Reihenfolge, wie man ankam. Im Idealfall setzt sich die gesamte Gruppe wie ein einziges Fahrzeug in Bewegung, passiert den Kreuzungsbereich und geht nachher wieder in die bewährte Formation über. Vordrängeln ist unsicher und führt zu Unklarheiten, wer als nächster losfährt und möglicherweise zu Kollisionen.

Sollte die Gruppe durch Umschalten der Ampel auf Rotlicht getrennt werden, so halten die voraus fahrenden bei nächster Gelegenheit am Straßenrand, bis die nächste Grünphase ein Aufschließen der Getrennten ermöglicht.

Jeder ist verantwortlich für den Fahrer hinter ihm. Falls dieser merklich langsamer wird (Scheinwerferlicht des Hintermannes im Spiegel beobachten), wird die eigene Geschwindigkeit ebenfalls zurückgenommen. Dieses „Verzögerungssignal“ setzt sich relativ schnell nach vorn zum Tourguide fort. Steht ein Abbiegen an, ist ggf. vor dem Abbiegemanöver die Fahrt zu verlangsamen oder sogar anzuhalten, bis gewährleistet ist, dass der nachfolgende Teilnehmer die Fahrtrichtung und den Tourverlauf erkannt hat. Auf diese Weise wird die Gruppe zusammen gehalten und kann nicht zersplittert werden.

5. Trennung von der Gruppe

Sollte trotz all dieser Maßnahmen einmal ein Teilnehmer verloren gehen, so kann dieser natürlich zum raschen Auffinden beitragen. Der Getrennte startet einen Anrufversuch per Handy lt. Teilnehmerliste, falls er keine Verbindung erhält, sendet er eine SMS mit seiner Position oder bespricht die Mailbox. Den eigenen Standort hält er möglichst bei. Keinesfalls fährt er kreuz und quer in der Gegend herum, sondern er fährt gegebenenfalls auf der Strecke zurück bis zu dem Punkt, von dem der Getrennte mit Sicherheit weiß, dass hier die Gruppe noch zusammen war. Der Tourguide seinerseits klärt mit den anderen Teilnehmern, wo der „Getrennte“ zuletzt gesehen wurde, fährt die Route bis zu diesem Punkt zurück und holt den Teilnehmer ab.

6. Überholmanöver

Muss die Gruppe einen Überholvorgang durchführen, so ist hier jeder für sich selber verantwortlich. Der Tourguide versucht einzuschätzen, ob der Freiraum nach vorn groß genug ist, dass mehr als ein Fahrzeug überholen kann. Jeder, der überholt hat, sollte aber unbedingt darauf achten, dass nicht unmittelbar nach dem Überholvorgang die Geschwindigkeit so stark reduziert wird, dass hierdurch die Lücke zu klein oder gar geschlossen wird, es ist zügig nach vorn aufzuschließen.

Jedem Teilnehmer sollte das Phänomen der Gruppendynamik bekannt sein und daraus ableiten, dass er nur die Fahrmanöver durchführt, die ihm geläufig sind und die von ihm sicher beherrscht werden. Es bereitet nur Stress und große Gefahr für alle Teilnehmer, wenn sich jemand aus der Gruppe heraus zu etwas aufgefordert fühlt, das er als Einzelfahrer nie wagen oder durchführen würde.

 

Tipps

I.d.R. ist es so, dass jemand die Tour geplant hat und eigentlich weiß, wo es lang geht. Es ist hilfreich, wenn der Gruppe die Fahrstrecke vorher bekannt gegeben wird. Dies kann natürlich nur ein Überblick sein und ist auf verschiedene Arten möglich:

– zu Beginn der Tour
– per Infoblatt
– per Internet

Dies entlässt aber keinen Teilnehmer aus der Informationspflicht, d.h. jeder Teilnehmer sollte zumindest grob über den Verlauf der Route Bescheid wissen.

Die Tour vorzeitig beenden

Wird die Tour von einem Teilnehmer vorzeitig beendet, so ist es angebracht, dies dem Tourguide mitzuteilen, geschieht dies nicht, löst man sicher eine Suchaktion aus.

Andere Verkehrsteilnehmer beachten

Natürlich ist für andere Verkehrsteilnehmer Platz zu machen, falls diese einmal einen Überholvorgang ab- oder unterbrechen müssen. Die Gruppe sollte dynamisch Platz machen und anschließend wieder in Formation zusammenrücken.

Zeichen geben und werten

Der Tourguide nimmt die veränderten Straßenverhältnisse wie starke Fahrbahnverschmutzungen, Gegenstände auf der Fahrbahn oder grobe Schäden an der Fahrbahndecke zuerst wahr. Er meldet diese nach Möglichkeit mit der flach nach unten zeigenden Hand, auf das Ereignis gerichtet, nach hinten weiter. Die anderen Tourenteilnehmer melden dies nach Möglichkeit ebenfalls zu den Nachfolgern weiter. Auf diese Weise wird so manche Gefahrenquelle rechtzeitig entschärft und umfahren.

Schlussmann

Bei mehr als 5 Motorrädern ist es angenehm, einen Schlussmann einzusetzen. Dieser sollte ebenfalls sehr gute Routenkenntnisse haben und in der Lage sein, den Teil der Gruppe der dann doch möglicherweise den Anschluss verpasst hat, zum nächsten oder dem zwischenzeitlich vereinbarten Treffpunkt zu führen. Hier ist es inzwischen sehr praktisch, wenn spätestens zum Beginn der Tour zwischen Tourguide und Schlussmann die Handynummern ausgetauscht, bzw. diese Nummern allen Teilnehmern bekannt gegeben werden. Erreicht man sich nicht direkt, so kann wenigsten die Mailbox besprochen oder eine SMS gesandt werden. Der Schlussmann sollte selbst nicht das leistungsschwächste Mopped fahren, auch sollte er fahrerisch versiert sein. Als „rote Laterne“ den Anschluss zu halten, ist erfahrungsgemäß am schwierigsten.

Gruppendenken

Hat ein Teilnehmer während der Tour ein Problem (welcher Art auch immer), so betrifft das im weitesten Sinne die ganze Gruppe. Keiner sollte denken „ist ja nicht mein Problem“, denn es könnte ja auch mal ihn treffen. Hier ist eine gute Gelegenheit, die vielbesprochene „Bikersolidarität“ umzusetzen.
In diesem Sinne:

Viel Spaß und gute Fahrt auf allen Touren